Zwei Wege zur Pflege

Alte Menschen waschen, an Wochenenden arbeiten, Dauerstress: So stellen sich viele wahrscheinlich die Altenpflege vor. Da ist sicherlich etwas dran. Aber der Beruf hat mehr zu bieten: mit Menschen arbeiten, von Lebenserfahrung profitieren, Dankbarkeit spüren. Die Ansprüche an den Job werden zunehmend größer und die Möglichkeiten der Ausbildung immer vielfältiger. Damit wird er für viele interessant und die Zukunftsaussichten sind besser geworden. Wir stellen zwei Wege vor.

Joshua Schulz und Nikolas Pantelmann (v.l.) haben sich beide für eine Ausbildung in der Altenpflege entschieden – ihre Ausbildungswege sind dabei jedoch unterschiedlich.
Joshua Schulz und Nikolas Pantelmann (v.l.) haben sich beide für eine Ausbildung in der Altenpflege entschieden – ihre Ausbildungswege sind dabei jedoch unterschiedlich.
 

Der Pflege-Generalist

Joshua Schulz studiert in Saarbrücken „Pflege“. Mit dem Bachelor in der Tasche kann er gleich in drei Berufen durchstarten.

Joshua Schulz lacht gern. „Ich bin ständig am grinsen“, sagt er über sich selbst. Wenn der drahtige junge Mann mit den indischen Wurzeln lächelt, blitzen seine weißen Zähne. Das passiert nicht nur, wenn er von Ausflügen mit Freunden erzählt, sondern vor allem, wenn es um sein Studium geht. Joshua gehört zu den 17 jungen Menschen, die an der saarländischen Hochschule für Technik und Wirtschaft (htw saar) für den Modellstudiengang „Pflege“ eingeschrieben sind. Wer den neu eingerichteten Bachelor of Science abschließt, ist gleich für drei Berufe qualifiziert: Krankenpfleger, Kinderkrankenpfleger und Altenpfleger.

Es ist toll, so viel Kontakt mit Menschen zu haben. – Joshua Schulz

Aus einem Praktikum wurde der Traumberuf

Letzteres ist Joshuas Ziel. „Ich habe ganz unten angefangen, mit einem Schüler-Job in der Küche eines Altersheims“, erzählt der 21-Jährige. Als ihm das Spülen zu eintönig wurde, fragte er, ob er nicht auch einmal in die Altenpflege hineinschnuppern könnte. Aus einem Praktikum wurde eine feste Wochenendarbeit – und Joshuas Traumberuf. „Es ist toll, so viel Kontakt mit Menschen zu haben“, schwärmt er. „Als Pfleger hat man am engsten mit ihnen zu tun, lernt sie auch psychisch gut kennen.“ Wie entscheidend dieser Aspekt sein kann, hat Joshua früh gemerkt: „Manchmal spricht man mit jemandem über ein banales Alltagsproblem, und plötzlich verbessert sich das Krankheitsbild. Pflege ist nicht nur Waschen und Essen anreichen.“

Seinen nächsten Praxis-Einsatz hatte Joshua im Seniorenzentrum der Barmherzigen Brüder Rilchingen. In dem kleinen saarländischen Ort nahe der französischen Grenze machte er das Vorpraktikum, das für sein Studium vorausgesetzt wird. „Das ist sehr sinnvoll“, betont er. Schichtdienst, körperlich anstrengende Aufgaben und ein straffer Zeitplan – da müsse jeder erst ausprobieren, ob es das Richtige sei. „Allerdings stört es mich, dass unser Beruf oft nur negativ dargestellt wird“, ergänzt der Student. „Es gibt Missstände, ja, aber vor allem gibt es Pfleger, die alles geben, was sie an Zeit und an Kraft haben.“

Pflege als Studium

Das hat Joshua vor allem in Rilchingen beobachtet. Viele Kollegen zeigten Interesse an seinem Studium, während sonst auch manchmal verwunderte Nachfragen kommen: „Warum muss man das studieren? Wir stehen doch nur am Bett“, zitiert Joshua. Er schüttelt den Kopf: „Wenn ich mit dem Studium fertig bin, kann ich den Pflegeprozess nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen durchführen und einen Beitrag dazu leisten, dass Kommentare wie ‚Das haben wir schon immer so gemacht‘ sich ändern.“ An der Uni lerne er viel über die Hintergründe der Pflege, etwa über Psychologie, Soziologie oder die richtige Dokumentation.

Für die kommenden vier Monate stehen Vorlesungen und Seminare in Joshuas Kalender, dann wieder zwei Monate
Praxis in Rilchingen. Wohin es in drei Jahren gehen soll, wenn das Studium abgeschlossen ist, weiß er genau: Er möchte einen Master-Studiengang anschließen. „Das Studium sollte die Ausbildung zum Altenpfleger auf keinen
Fall ersetzen. Im Gegenteil, beides kann sich gut ergänzen.“

 

Der Pragmatiker

In drei Jahren zum Ziel: Nikolas Pantelmann hat den Beruf des Altenpflegers in einer Ausbildung gelernt.

Ein blaues Schlüsselband baumelt aus der linken Hosentasche, sonst ist Nikolas Pantelmann ganz in weiße Pflegerkluft gekleidet. Der einzige männliche Pfleger auf der Station St. Vinzenz im Seniorenzentrum der Barmherzigen Brüder Rilchingen geht mit Christina Holz spazieren. Wer die beiden sieht, könnte sie fast für Großmutter und Enkelsohn halten: Sobald die alte Dame schwerer atmet, bleibt Nikolas stehen, stützt sie, legt einen schützenden Arm um ihre Schultern. Sie plaudern über das sonnige Wetter, die letzten Fußball-Ergebnisse und die neuen Kompressionsstrümpfe.

„Der Zugang zu den Bewohnerinnen fällt mir leicht“, sagt der 24-Jährige. Viele Frauen fühlten sich sicher, wenn ein kräftiger junger Mann ihnen aus dem Sessel oder in die Badewanne hilft. „Ich mache Krafttraining, und ich esse gern“, erklärt Nikolas und schmunzelt. „Da wissen die Damen: Der ist so stark, dass ich gar nicht fallen kann.“

Mehr Zeit für Bewohner

Nikolas wird nach dem Abschluss seiner Lehre im Herbst bei den Barmherzigen Brüdern bleiben. Einen Grund dafür sieht er in seiner fundierten praktischen Ausbildung: „Wer pragmatisch handelt, wird gern genommen.“ Ein berufsbegleitendes Studium anzuhängen, schließt der Auszubildende nicht aus. Vor allem würde er sich jedoch wünschen, künftig noch mehr Zeit für die alten Menschen zu haben. „Wenn ich jemandem etwas ablehnen musste, weil es zeitlich eng wurde, verfolgt mich das manchmal bis zum Feierabend.“ In schwierigen Situationen helfe vor allem das Team. „Man muss die eigenen Grenzen erkennen und auch mal eine Aufgabe abgeben können“, hat Nikolas beobachtet. „Wenn das im Team funktioniert, gehen auch schwere Tage vorbei.“

... wenn jemand einfach nur lächelt, wenn man
kommt – dafür arbeite ich. – Nikolas Pantelmann

Mit Praxis gegen Vorurteile

Vor allem der Umgang mit den Bewohnern zeigt ihm immer wieder, warum er sich für die Altenpflege entschieden hat. „Wenn sich jemand bedankt oder einfach nur lächelt, wenn man kommt – dafür arbeite ich.“ Insofern sei es schade, dass viele Menschen ein falsches Bild von seinem Beruf hätten: „Altenpflege verbinden viele nur mit Waschen und Windeln.“ Dabei würden viele Azubis und Freiwillige erst in der Praxis merken, wie viel Freude ihnen die Arbeit mit älteren Menschen bereite.

Für Nikolas wäre ein anderer Bereich der Pflege, zum Beispiel im Krankenhaus, keine Alternative. „Im Krankenhaus
verbringen die Patienten meistens nur wenige Tage“, sagt er, „aber hier leben sie. Die Einrichtung ist ihr letztes Zuhause.“ Die Menschen kennenzulernen, sie zu umsorgen, bis sie sich nach und nach öffnen – das mache seinen Beruf so besonders, betont Nikolas. „Es ist eine schöne Aufgabe, den letzten Weg der Menschen mitzugestalten.“

Text: Paula Konersmann | Fotos: Harald Oppitz

 
 
 
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